Ein halbes Jahrhundert Aikido in Niedernhausen


Dass er einmal zu den Pionieren dieser außergewöhnlichen japanischen Kampfkunst in Deutschland gehören würde, hätte sich Meister Manfred Jennewein in den 1960er-Jahren wohl kaum träumen lassen. Als einer der ersten Vereine in Hessen wurde 1975 der Aikido-Club Niedernhausen e.V. (ACN) von Manfred Jennewein, heute Träger des 7. Dan, gegründet.


Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren trat auch der heutige 1. Vorsitzende Michael Helbing (5. Dan) dem damals frisch gegründeten Verein bei. Seitdem begleitet und gestaltet er die Entwicklung des Vereins aktiv mit.


Der Begriff Aikido lässt sich mit „Der Weg durch Lebenskraft zur Harmonie“ übersetzen. Diese Kampfkunst kann nur in der Gemeinschaft erlernt werden: Alle trainieren miteinander – unabhängig von Alter, Größe, Geschlecht, Herkunft oder Erfahrung – und lernen dabei voneinander. Wenn wir diesen einzigartigen Solidaritätsgedanken auch in unseren Alltag mitnehmen können, ist das ein schöner Ausblick.


Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Budo-Künsten wie Karate oder Judo besteht darin, dass es im Aikido keinen Wettkampf gibt. Sieg oder Niederlage spielen keine Rolle – im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit sich selbst. Aikido ist überwiegend defensiv ausgerichtet, Angriffstechniken werden nicht gelehrt. „Jeder Kampf, der nicht gekämpft wird, ist ein gewonnener Kampf“, bringt Michael Helbing die Aikido-Philosophie auf den Punkt.


„Eigentlich wollten wir doch nur Aikido machen“, erinnert sich Vereinsgründer Manfred Jennewein schmunzelnd. „Doch dieses ‚nur‘ hat sich zu einem ziemlich umfangreichen Projekt entwickelt.“ Heute ist daraus der Aikido-Verein Niedernhausen geworden, der nun stolz auf sein 50-jähriges Bestehen zurückblicken kann.


Seit über einem halben Jahrhundert engagieren sich der inzwischen 86-jährige Manfred Jennewein und Michael Helbing auf vielfältige Weise für die Verbreitung und Pflege des Aikido. Für ihr langjähriges Wirken wurden sie am Samstag, den 1. November 2025, im Kreise von fast 50 Aikidoka aus ganz Hessen geehrt.


Grußworte zum Jubiläum, verbunden mit einer Zuwendung für den ACN, wurden von Dr. Norbert Beltz als Vertreter der Bürgermeisterin, Hans Rodius vom Sportdezernat des Rheingau-Taunus-Kreises überbracht. Von Markus Jestaedt vom Sportkreis Rheingau-Taunus wurde Michael Helbing eine Ehrenurkunde und Ehrennadel des Landessportbundes Hessen e.V. überreicht.


Im Anschluss an die Feierstunde wurde den Gästen in der Sporthalle eine eindrucksvolles Aikido-Training geboten. Auf der Matte standen die Meister des ACN: Michael Helbing (5. Dan), Michael Ehrhart (3. Dan) und Bernhard Retzbach (1. Dan).


Mit dieser Jubiläumsfeier blickt der Aikido-Club Niedernhausen e.V. nicht nur stolz auf seine Geschichte zurück, sondern auch mit Zuversicht in die Zukunft – ganz im Sinne des Aikido-Geistes: „Der Weg ist das Ziel.“


Text, Bilder: Jochen Haupt, © Copyright,02.11.2025


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50 Jahre Aikido-Club Niedernhausen

 

Der Aikido-Club Niedernhausen (ACN) feiert am 01.11.2025 sein 50-jähriges Jubiläum mit einem Lehrgang in der Turnhalle der Theißtalschule in Niedernhausen. Dazu werden ab 15:00 Uhr über 40 Teilnehmer aus ganz Hessen erwartet. Der Lehrgang wird von den Meistern des ACN gestaltet und gibt auch Zuschauern einen Einblick in unsere Kampfkunst.


Bereits um 11:00 Uhr laden die Kinder- und Jugendtrainer unter dem Titel „Family and Friends“ zu einem Aikido-Training zum Mitmachen für Kinder, Jugendliche und Angehörige ein. Vorführungen werden das Training ergänzen und einen Eindruck von der Vielfalt des Aikido geben.


Aikido wurde als rein defensive Kampfkunst Anfang des 20. Jahrhunderts von Morihei Ueshiba entwickelt und kam in den 1960er Jahren nach Europa. Als einer der ersten Vereine in Hessen wurde 1975 der Aikido-Club Niedernhausen durch Manfred Jennewein (7. Dan) gegründet.


Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren ist auch der heutige 1. Vorsitzende Michael Helbing (5. Dan) in den damals gerade gegründeten Verein eingetreten und hat die Entwicklung bis heute verfolgt und aktiv gestaltet. Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen (Fragen von Bernhard Retzbach, 2. Vorsitzender des ACN):


BR:    Vor 50 Jahren war Aikido in Europa und Deutschland ja noch nicht so bekannt. Was hat Dich damals motiviert, damit anzufangen?


MH:   Ich war faszinieret von den Kung-Fu-Filmen mit Bruce Lee und wollte einen Kampfsport lernen. Und da ich nur drei Minuten zur Schulturnhalle gehen musste, dachte ich, das probiere ich mal.


BR:     Was ist Dir aus der Anfangszeit noch besonders in Erinnerung?


MH:   Vor allem die Wochenlehrgänge in Frankreich bei Meister Noquet und Hirokaza Kobayashi in den Jahren 1977, 1979 und 1981. Ich hatte damals erst den orangenen Gürtel und es war ein Erlebnis und eine Ehre mit diesen Meistern auf der Matte zu stehen. Dazu hatten mich meine damaligen Lehrer Manfred Jennewein und Klaus Chudziak motiviert. Auch die Wochenlehrgänge im Leistungszentrum Herzogenhorn am Feldberg waren immer etwas Besonderes.


BR:     Manfred Jennewein hat den Verein seit der Gründung bis letztes Jahr geleitet und als Lehrer (zuletzt 7. DAN) die Entwicklung des Aikido in Niedernhausen und auf Landes- und Bundesebene maßgeblich gestaltet. Was macht das Aikido, wie es Manfred lehrte, so besonders?


MH:   Manfred war eigentlich immer ein „Meister der leeren Hand“, der aber auch mit den Trainingswaffen gut umgehen konnte. Manfred hat Aikido immer auch als „Kunst der Bewegung“ vermittelt und den Aspekt der Selbstverteidigung in den Hintergrund gestellt. Er hat im Training auch immer großen Wert auf gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt gegenüber dem Trainingspartner gelegt.
Besonders beeindruckt mich, dass Manfred sein Aikido bis ins hohe Alter erkennbar weiter-entwickelt hat. Nicht nur einmal begann er das Training mit den Worten „Wir machen die Technik jetzt anders!“ um anschließend eine neue, meist effektivere Ausführung zu zeigen.

           Leider musste Manfred letztes Jahr aus gesundheitlichen Gründen aufhören.


BR:     Du bist von Anfang an dabei und im Vorstand auch seit vielen Jahren als Technischer Leiter für die Organisation des Trainingsbetriebs und der Lehrgänge zuständig. Was begeistert Dich so an Aikido, dass Du bis heute durchgehalten hast?


MH:   Von Anfang an bis heute ist mir wichtig, gemeinsam mit Partnern trainieren zu können, ohne ihnen weh tun zu müssen. Es macht mir Spaß, mein Können und meine Erfahrung im Training weiterzugeben. Beim gemeinsamen Üben mit ganz unterschiedlichen Partnern – auch aus anderen Vereinen – lerne ich auch immer noch selbst dazu, kann mich so weiterentwickeln und es hilft mir fit zu bleiben.


BR:     Wo steht der Aikido-Club heute?


MH:   Wir haben heute etwa 60 Mitglieder. Für die Erwachsenen bieten wir zwei Trainingseinheiten an. Das Kinder-/Jugendtraining findet erfreulich guten Zuspruch. Dies ist auch dem Engagement des Trainer-Teams um Michael Ehrhart (3. Dan) zu verdanken.


BR:     Was wünschst Du dir für die Zukunft des Aikido-Clubs?


MH:   Wie bei allen anderen Sportarten sollten sich die Menschen mehr in den Vereinen, insbesondere natürlich bei uns, engagieren und nicht nur im Sportstudio trainieren.

           Wir freuen uns über jedes neue Mitglied, das Interesse an Aikido mitbringt. Das Training der Aikido-Techniken hat eine Menge positiver Effekte. Es fördert Koordination, Reaktionsfähigkeit sowie Gleichgewichtssinn und kann zum Stressabbau beitragen.

           Es darf aber nicht verschwiegen werden: Aikido ist komplex. Und der Weg braucht Zeit. Aber gerade das ist ja das Herausfordernde und Faszinierende an dieser Kampfkunst.

 

Wer sich für Aikido interessiert, ist zu einem Probetraining herzlich willkommen. Näheres über unseren Verein findet man auf unserer Homepage www.aikido-club.com.


Quelle: Michael Helbing, PM vom 24.10.2025

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